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DRV-Leitbild

Das rudertechnische Leitbild des Deutschen Ruderverbandes

Vorbemerkungen Trainingsmethodische Grundkonzeption Zeitraum 2017–2020

Trainingsmethodische GrundkonzeptionDie Trainingsmethodische Grundkonzeption für den Olympiazyklus 2017–2020 basiert in wesentlichen Teilen auf der Konzeption der Jahre 2013–2016. Sie wurde aktualisiert und um einige Kapitel ergänzt.

Anregungen aus Trainerlehrgängen, Erfahrungen aus dem Training und Diskussionen innerhalb der beteiligten Arbeitsgruppen flossen in die neue Konzeption ein.

Das rudertechnische Leitbild wurde in Teilen mit neuem Bildmaterial erstellt und grafisch neu aufgestellt. Es wurde erneut mit dem A-Trainerteam des DRV gemeinsam abgestimmt und dient als Leitfaden der rudertechnischen Ausbildung.

In Anlehnung an die international erfolgreichsten Rudernationen, ist auch die Krafttrainingskonzeption des Deutschen Ruderverbandes grundsätzlich maximalkraftorientiert. Wie in der Einleitung im Abschnitt Krafttraining erörtert wird, ist beim Krafttraining unbedingt die qualitative Komponente bzw. Ausführung zu beachten.

Im Nachwuchsbereich müssen auf der qualitativen Ebene beim Freihanteltraining gute Grundlagen und Kenntnisse vermittelt werden, um die Athleten/innen nachhaltig auf das Anschluss- bzw. Hochleistungstraining vorzubereiten.

Aufgrund trainingspraktischer Erfahrungen im letzten Olympiazyklus wurde ein neues Kapitel zum Thema Stabilisationstraining aufgenommen. Defizite in diesem Bereich behindern eine langfristige Leistungsentwicklung und sind häufig Ursache von Verletzungen. Rahmentrainingsempfehlungen sind nicht Inhalt der Trainingsmethodischen Grundkonzeption. Für die Altersklasse 17/18 Jahre werden diese jährlich von der Bundestrainerin Nachwuchs erarbeitet und können bei ihr nachgefragt werden.

Für den Hochleistungsbereich liegen Kennziffernübersichten für diesen Olympiazyklus bis 2020 vor. Sie wurden bzw. werden an die Trainer ausgegeben, die mit Bundeskaderathleten arbeiten.

Rudertechnik

Vorbemerkung
Abstrakt betrachtet dient die Rudertechnik in erster Linie dazu, die physische Leistungsfähigkeit möglichst verlustarm in hohe Bootsgeschwindigkeit umzusetzen. Konditionelle Potentiale lassen sich nur in eine hohe Wettkamp eistungsfähigkeit umsetzen, wenn eine zweckmäßige und effektive Rudertechnik eingesetzt wird.

Der Deutsche Ruderverband will und muss seine Vorstellung von einer optimalen Rudertechnik in alle Rudervereine und Stützpunkte transportieren. Erneut haben die vergangenen Olympischen Spiele gezeigt, dass in den Großbooten das größte Potential zur Erringung von Medaillen bei Zielwettkämpfen liegt. Ausnahmeathleten/-innen, die Medaillen bei Olympischen Spielen in Kleinbooten erringen können, haben wir nur begrenzt. Unsere Stärke liegt in technisch geschlossenen, effektiv rudernden Mannschaften. Je besser in allen Vereinen und Stützpunkten nach einheitlichen Vorstellungen Talente entwickelt werden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, diese notwendigen Voraussetzungen für erfolgreiche Großboote zu erreichen.

Die Beschreibung eines rudertechnischen Leitbildes ist kein Selbstzweck, sondern ein praktisches Vorgabemodell, das als Ausgangspunkt für das Techniktraining dient. Ein Leitbild ist personenunabhängig und erfasst die wesentlichen Elemente der Rudertechnik.
Im Rahmen des individuellen Trainings wird aus dem Leitbild die individuelle Zieltechnik mit ihren individuellen Ausprägungen abgeleitet. Dies geschieht unter Berücksichtigung der biomechanischen Gesetzmäßigkeiten und unter Wahrung der mannschaftlichen Passfähigkeit.

Eine allzu stark abweichende individuelle Ausprägung sollte vermieden werden, um spätere, oftmals schwierige Umlernprozesse im Techniktraining zu vermeiden.

Die nachfolgende Darstellung der Bewegungsmerkmale unseres rudertechnischen Leitbildes ist keine abschließende Beschreibung aller technischen Feinheiten. Sie soll den Trainern/-innen als Orientierung dienen, wie innerhalb des Deutschen Ruderverbandes aktuell gerudert werden sollte. Für weitere Ausführungen zum Thema „Leitbild“ verweisen wir an dieser Stelle auf die Ausführungen im Kapitel 3.3.2 im Handbuch Rudertraining. 2. Ausgabe. Altenburg, Dieter, Mattes, Klaus, Steinacker, Jürgen M., Wiebelsheim: Limpert 2013.

Allgemeine Hinweise
In einzelnen Bildern lassen sich kinematische Abläufe nur punktuell darstellen. Da eine genaue Vorstellung kinematischer und dynamischer Abläufe für das Rudertraining von entscheidender Bedeutung ist, beabsichtigt der Deutsche Ruderverband eine Publikation eines Videos mit dem rudertechnischen Leitbild und Übungssequenzen.

Die Analyse der Rudertechnik

Die Möglichkeiten zur Analyse der Ruderbewegung unterscheiden sich in der internen und externen Betrachtung, also der Perspektive aus der Sicht des/ der Athleten/-in oder Trainers/-in. Dem/der Sport- ler/-in stehen vor allem seine/ihre kinästhetischen Wahrnehmungen zur Verfügung, also die Lage- und Bewegungswahrnehmungen, die nicht durch das Sehen vermittelt werden. Kinästhetische Wahrneh- mungen erfolgen über Rezeptoren für die Raum-, Zeit-, Kraft- und Spannungsverhältnisse der Bewegung. Der/ die Sportler/-in „fühlt“ auf vielfältige Art und Weise die Bewegung seines/ihres Körpers, die Bewegungen der Mannschaftskollegen/-innen und des Bootes. Ergänzt wird dies über visuelle, auditive, taktile und vestibuläre Wahrnehmungen. Sinnesreize werden demnach über das Auge, das Gehör, den Tast- und Gleichgewichtssinn sowie das Muskelemp nden wahrgenommen und verarbeitet.

Das qualitative Niveau der Fähigkeit, die eigene Bewegung wahrzunehmen und zu steuern, ist einerseits eine Sache der Bewegungserfahrung und damit über vielfältige Lernwege entwicklungsfähig, andererseits eine Frage des motorischen Talentes, die Reize in einen Zusammenhang mit der eigenen Bewegung zu bringen und im motorischen Gedächtnis abzuspeichern. Für die Reproduzierbarkeit der erlernten Bewegung ist eine ausreichend hohe Zahl an Wiederholungen von Bedeutung. Die Aufgabe des/der Trainers/-in liegt in der Schulung der Bewegungserfahrungen, unter Berücksichtigung entsprechender Regeln zum Bewegungslernen.

Der/die Sportler/-in benötigt zur Anpassung einer aktuellen Bewegung zur gewünschten Zielbewegung adäquates Feedback, das aber nur zum erwünschten Resultat führen wird, wenn die nötigen Bewegungswahrnehmungen geschult sind.

Feedback erfolgt über Ansprache durch Trainer/-in oder Mannschaftskollegen/-innen, durch Videoanalysen (online mit Videobrille oder of ine im Nachgang des Trainings), Sonifikation (Vertonung) oder Einsatz eines biomechanischen Analysetools wie dem mobilen Messsystem zur Freiwassermessung („Messboot“).

Die Sportler/-innen sollten durch regelmäßigen Einsatz solcher Rückmeldesysteme immer wieder ihr inneres Emp nden mit der äußeren Betrachtung abgleichen, um fehlerhafte Bewegungsmuster frühzeitig zu vermeiden, denn Umlernprozesse fehlerhafter Bewegungen sind schwierig, zeitintensiv und möglicherweise mit Negativerlebnissen verbunden.

Für den/die Trainer/-in stellt die Videoanalyse die einfachste und gängigste Möglichkeit eines visuellen Feedbacks dar. Die technischen Möglichkeiten sind dank Smartphones, Tablets und Full-HD-Kameras mittlerweile sehr gut.

Es hat sich als hilfreich erwiesen, sich an wesentlichen Merkmalen der Bewegung des Ruderschlages zu orientieren und einen Soll-Ist-Vergleich anzustellen.

Die Kernpunkte der Bewegungsmerkmale sind dabei die
AUSLAGE – VORDERZUG – ÜBERLAGERUNG – BEINSTRECKUNG – RÜCKLAGE – ANROLLEN – FREILAUF

Zu jedem Kernpunkt kann im Rahmen der Videoauswertung durch Abfrage der Zielvorstellungen für dieses Bewegungsmerkmal und dem Abgleich mit der aktuellen Technik des/der Sportlers/-in eine schnelle Rückmeldung gegeben werden, die wesentliche Elemente der Gesamtbewegung abdecken.

Zeitlupen- und Einzelbildbetrachtungen erleichtern diese Art der Bewegungskorrektur.

Beispiel AUSLAGE: Sitzposition

  • Sind die Arme gestreckt?
  • Sind die Schultern eingedreht?
  • Blickachse geradeaus?
  • Unterschenkel im Bereich der Senkrechten?
  • Rollweg ausgenutzt?
  • Hüftwinkel geschlossen?

Dynamische Komponenten wie das Rollverhalten, der Gesamtrhythmus und die Gestaltung der Umkehrphasen in der Bewegung müssen zusätzlich in Normalgeschwindigkeit betrachtet werden.

Leitbild Skullen Leitbild Riemen

„Rudern lernen mit Marcel“

Im Rahmen der E-Learning-Fortbildung Rudertechnik enstand das Dokument „Rudern lernen mit Marcel“. Sebastian Tondorf, Teilnehmer der DRV-Fortbildung vom Waginger Ruderverein, hat die Aufgabe optisch ansprechend umgesetzt, das rudertechnische Leitbild in einer jugendgerechten Sprache darzustellen. Nutzen Sie gern diese Darstellung für die Ausbildung in den Rudervereinen. Wir danken Sebastian Tondorf und Marcel Hacker.

Rudern lernen mit Marcel (pdf)
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