Die Blattführung

Blatt flach gedrehtIm Ruderverband Schleswig-Holstein beginnt die Beschreibung der Blattarbeit mit dem Vorführen. Bei diesem sollen die Blätter vollkommen flachgedreht sein. Sie sind soweit vom Wasser entfernt, dass sie ohne Veränderung der Schafthöhe senkrecht gedreht werden können. Diese Forderung deckt sich mit Noltes Darstellung der Rudertechnik in der Rudersport 34/1982, denn für ihn „genügt ein bloßes Drehen der Blätter ohne Abwärtsbewegung.“ Auch Altenburg und Mattes führen im Leitbild des Deutschen Ruderverbandes in der Rudersport 1/2002 aus: „Die Innenhebel werden in gleichbleibender Höhe zur Bordwand in ca. 1 Blattbreite zum Wasser vorgeführt, um ein senkrechtes Aufdrehen ohne Absenken der Hände zu ermöglichen.

Blatt senkrecht gedrehtIm RVSH sollen die Blätter dann so rechtzeitig senkrecht gedreht werden, dass sie noch in Richtung Bug zum Wasser geführt werden können. Sie sollen aber selbstverständlich noch nicht das Wasser berühren. Diese Darstellung findet sich weder bei Nolte noch bei Altenburg und Mattes. Ziel dieser Bewegung ist es, die Blätter beim anschließenden Wasserfassen so schnell wie möglich im Wasser zu versenken. Diese Forderung stellt auch Nolte: „Das Eintauchen des Blattes muss in kürzester Zeit erfolgen“ und Altenburg und Mattes: „Das Wasserfassen erfolgt schnell, senkrecht und ‚spritzerfrei’ ohne Luftschlag.“ Noltes Darstellung vom Wasserfassen ist mit Sicherheit der Vorrang vor der Darstellung von Altenburg und Mattes zu geben, denn an der Physik kommt keiner vorbei. Ein kleiner Luftschlag ist nun mal notwendig, um die Blätter Richtung Heck zu beschleunigen, sonst würden sie beim senkrechten Setzen erhebliche Bremskraft ausüben.

BlattoberkanteIm RVSH soll sich die Blattoberkante im Durchzug gerade unter der Wasseroberfläche befinden. Nolte schreibt zwar direkt nichts über die Tauchtiefe, er spricht aber von einem „Wasserberg“, der sich beim Durchzug aufbaut. Das lässt darauf zurückschließen, dass die gleiche Tauchtiefe wie beim RVSH empfohlen wird. Altenburg und Mattes legen fest: „Die Tauchtiefe der Blätter entspricht der jeweiligen Blattbreite.“

Nach dem Endzug soll im Ruderverband Schleswig-Holstein mit senkrechtem Blatt ausgehoben und anschließend flachgedreht werden. Nolte beschreibt diese Phase sehr ausführlich und empfiehlt ein leichtes runterziehen im Endzug, da sich vor dem Blatt ein Wasserberg befindet. Altenburg und Mattes fordern: „Nach dem Ausschieben der voll getauchten Blätter erfolgt das senkrechte und spritzerfreie Abheben (Blattbreite vom Wasser) mit anschließendem Flachdrehen der Blätter.“ In der Videostudie ist eine nahezu fehlerfreie Technik zu sehen. Ob es überhaupt besser geht, ist fast zu bezweifeln, da eigentlich jeder Ruderer, inklusive Weltmeister und Olympiasieger, sich hinten ein wenig aus dem Wasser „mogelt“. Perfekt ist es, wenn möglichst lange Druck am Blatt ist und es anschließend nahezu ohne Widerstände aus dem Wasser „gezaubert“ wird.

Bildreihe

Bildreihe zum Endzug mit senkrechtem Ausheben und anschließendem Flachdrehen:
Blattarbeit 1 Blattarbeit 2 Blattarbeit 3 Blattarbeit 4 Blattarbeit 5 Blattarbeit 6

Reinhart Grahn

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