Der Endzug
Die Rücklage bei Volker Nolte (Rudersport 34/1982)
Volker Nolte beginnt seine Ruderbeschreibung bei der Rückenlage. Hierunter versteht er die Bewegungsstellung, in der die Hände gegenüber dem Boot maximal bugwärtige Position haben, d.h. der Ruderwinkel den größten positiven Wert hat. Weiter führt er aus:
Dabei ist die Rücklage gegenüber der Auslage die Position, in der der Ruderer wenig Spielraum unterschiedlicher Bewegungsausführung besitzt. Die maximale Rücklage ist dann erreicht, wenn der Ruderer eine Position erreicht hat, die gerade noch einen Krafteinsatz auf den Skull, ein störungsfreies Ausheben der Blätter und danach das Vorführen der Skulls ermöglicht. In dieser Position muss die Zugrichtung der Hände auf das Schultergelenk gerichtet sein. Aus ana-tomischen Gründen ist ein maximaler Arm- und Schultermuskeleinsatz am besten dann zu erreichen, wenn die Hände in Höhe des unteren Brustansatzes ziehen.
Der Rumpfwinkel beträgt bei ihm in der Rückenlage 10° bis 20° (von der Senkrechten aus gemessen, positive Werte gehen in Richtung Vorlage, negative in Richtung Rücklage)
Der Endzug nach Altenburg/Mattes (Rudersport 1/2002)
Brandneu ist das rudertechnische Leitbild des Deutschen Ruderverbandes. Es wurde im Jahr 2001 von Bundes- und Landestrainer unter Leitung von Dr. Dieter Altenburg und Privatdozent Dr. Klaus Mattes von der Humboldt-Uni Berlin entwickelt. Sie schreiben zum Endzug:
Ein Zurücknehmen der Schulter unterstützt den aktiven Armzug, wobei die Ellenbogen nahe am Körper vorbeigeführt werden. Handgelenk und Unterarm bilden dabei eine Gerade. Der Oberkörper wird in ca. 120° Rückenlage fixiert (Der Winkel wird von der Waagerechten aus gemessen). Die Bauchmuskeln sind angespannt und lassen kein Zusammenfallen des Oberkörpers zu.
Der Endzug im Leitbild des RVSH
Bereits auf unserer ersten Checkliste aus dem Jahr 1993 haben wir uns auf zwei Merkmale zur Beschreibung des Endzugposition geeinigt:
- Rücklagewinkel zwischen 15° und 35° (von der Senkrechten aus gemessen in Richtung der Rücklage)
- Unterarme parallel zum Wasser
Unser Leitbild vereinigt damit die beiden oben aufgeführten Leitbilder. Es weist einen großen Toleranzbereich bezüglich des Rücklagewinkels auf, der sich aus der jahrelangen Analyse von Rudertechniken der Weltbesten ergeben hat. Für mich gehört der Rücklagewinkel damit zu einem subjektiven Merkmal. Wesentlich ist damit, wir fahren im Ruderverband Schleswig-Holstein mit Rückenlage. Sie soll nicht minimalistisch ausfallen aber auch nicht übertrieben werden.
Einigkeit besteht in der Forderung, dass die Unterarme parallel zum Wasser sein sollen. Altenburg/Mattes formulieren lediglich anders. Bei ihnen sollen Handgelenk und Unterarm eine gerade Linie bilden.
Fehler im Endzug
Wird mit keiner Rückenlage (0° bis 5°) oder mit sehr viel Rückenlage (über 45°) gefahren, so ist dies ohne Zweifel als Fehler zu bewerten. Ohne Rücklage ist ein kräftiger Endzug aus dem Schulterbereich nicht möglich. Bei sehr großer Rückenlage wird der Körperschwerpunkt zu sehr in Richtung Bug verlagert. Dadurch stampft das Boot leicht. Ebenfalls verbraucht die Bauchmuskulatur viel Energie, da sie lange Haltearbeit und Aufrichtarbeit zu leisten hat, Energie, die dann nicht für den Vortrieb zur Verfügung steht.
Reinhart Grahn